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News des 12. Juni 2024

Von der ComputerBase kommt ein Re-Test des 2017er Grafikkarten-Duells von AMD Vega gegen nVidia Pascal, durchgeführt mittels Radeon RX Vega 64 gegen GeForce GTX 1080 Ti. Hierbei hat man sich somit jeweils die seinerzeitigen Spitzenexemplare eingeladen (die Radeon VII trat verspätet erst im Jahr 2019 an), wenngleich auch schon damals man diesen Test eher mit der (klar schwächeren) non-Ti-Version ausgeführt hätte, somit der GeForce GTX 1080. Im Duell mit der größeren Ti-Ausführung geht es für die AMD-Karte somit nicht darum, wer gewinnt, sondern eher wie sich die Performance-Abstände über die Zeit bzw. mit nunmehr immerhin 7 Jahre älteren Spiele-Titeln entwickelt haben. Hierbei zeigt sich durchaus noch einmal die Schlagkraft von AMDs Vega-Architektur, denn der Vorsprung des nVidia-Modells ging zwischen dem Launch-Review der ComputerBase im Jahr 2017 von +31,1% unter der WQHD-Auflösung auf mit den neuen Benchmarks nur noch +23,5% doch bemerkbar zurück.

WQHD/1440p Vega64 1080Ti Diff.
2017: ComputerBase Launch-Review zu Vega64 58,1% 76,2% +31,1%
2017: Durchschnitt aller Launch-Reviews zu Vega64 97,1% 125,9% +29,6%
2024: ComputerBase Re-Test 34 fps 42 fps +23,5%

Angemängelt wird von der ComputerBase an diesem Beispiel, dass von AMD nach Vega (und dessem Fehlschlag) nicht mehr viel in Richtung wirklich innovativer Grafikchip-Architekturen gekommen ist. AMD hat danach viel stärker auf "Nummer Sicher" gesetzt, was teilweise auch gute Ergebnisse hervorgebracht hat, AMD jedoch bezüglich der Marktanteile genauso wenig voranbrachte. Interessanterweise konnte AMD seinerzeit in den ersten Quartalen nach dem Release von Radeon RX Vega 56 & 64 sogar Marktanteile hinzugewinnen, erst mit dem Release von nVidias Turing-Generation im Jahr 2018 war diese Aufschwung-Periode bei AMD beendet. Ab diesem Zeitpunkt übernahm dann nVidia wieder die klare technologische Führerschaft, gerade mit den Innovationen RayTracing und Upscaler, selbst wenn jene ihre Zeit bis zum Marktdurchbruch benötigt haben. AMD versucht seit diesem Zeitpunkt mehrheitlich nur noch über den Preis zu konkurrieren, setzt aber auch technologisch keine wirklich schlagenden Akzente mehr.

Gerade das Thema "Fine Wine" kann AMD somit kaum noch beackern. Dafür müssen die Grafikchips technologisch vor der Zeit sein, was Vega war, was die neuere AMD-Hardware aber nur noch im abnehmenden Maßstab von sich behaupten kann. Selbst wenn AMDs neuere Grafikchips irgendwo Ansatzpunkte zu "Fine Wine" hätten, wird man jenen in der Spielezukunft in wiederum 7 Jahren kaum noch die Gnade gönnen, ohne RayTracing arbeiten zu dürfen. Wenn, dann haben heutzutage die Grafikchips von nVidia eher eine Chance auf "Fine Wine" – eben weil die grundsätzliche Technik stimmt (sofern der bei nVidia traditionell knappe VRAM nicht limitiert). Die ComputerBase sieht dies jedenfalls als Ansatzpunkt für AMD, um zukünftig wieder stärker bei Gaming-Grafikchips mitzumischen: Über den Mut zu neuen Innovationen, auch über die reine Hardware hinausgehend. Ob dies reichen mag zugunsten größerer Marktanteile für AMD, darf man sicherlich diskutieren – aber irgendetwas wird AMD zukünftig sicherlich ändern müssen, gerade nachdem die kommende RDNA4-Generation allein in den Mainstream- und Midrange-Segmenten überwintern will.

Laut Twitterer Dan Nystedt hat Chipfertiger TSMC die 3nm-Waferkapazität weiter ausgebaut und steht derzeit bei immerhin 180'000 3nm-Wafern pro Monat – eine stattliche, Summe wenn man bedenkt, dass nVidias gesamter Wafer-Bedarf kaum 40'000 Wafer pro Monat übersteigen dürfte. Wie bekannt benutzt nVidia die 3nm-Fertigung derzeit sowie auch für die kommende "Blackwell"-Generation noch überhaupt nicht, obwohl Chipfertiger TSMC dazu denkbarerweise durchaus in der Lage gewesen wäre. nVidia benutzt hingegen für "Blackwell" durchgehend die 4nm-Fertigung, sowohl für Consumer- als auch HPC/AI-Chips. Denkbarerweise flossen in diese auf den ersten Blick erstaunliche Entscheidung mehrere Gründe ein: Zum einen das Thema Versorgungs-Sicherheit, denn noch ist 3nm bei TSMC der neueste Node und daher mit dem ungünstigsten Verhältnis von Aufträgen zu Kapazität behaftet. Gerade für nVidia, deren Auslieferungen an HPC/AI-Gerätschaften im Jahr 2023 rein fertigungslimitiert waren, ist Versorgungs-Sicherheit daher ein gewichtiges Argument.

Zudem ist nVidia bei seiner HPC/AI-Roadmap nunmehr auf eine 1-Jahres-Kadenz gegangen, was bedeutet, dass man bei diesen kurzen Zeiträumen ganz automatisch nicht mehr für jede neue Chip-Generation auch eine neue Chip-Fertigung anbieten kann. Und letztlich dürfte es gerade bei den Chips des Consumer-Segments für nVidia inzwischen primär darum gehen, aus einem Markt, der kaum noch wächst, wo nVidias Marktanteil auch kaum noch steigen kann und wo man auch keine wirklich rasanten Preissteigerungen annehmen kann, dennoch das maximale herauszuholen. Die 4nm-Fertigung für "Gaming-Blackwell" ist somit folgerichtig, gerade da für diese Generation von AMD & Intel nur eine partielle Gegenwehr zu erwarten ist und selbige immer auch über den schönen Schein der (diesesmal unangefochtenen) nVidia-Spitzenmodelle übertüncht werden kann. Denkbar sogar, dass nVidia in Zukunft im Consumer-Segment generell nicht mehr auf die neueste Fertigung ansetzt – einfach weil es im kaum noch vorhandenen Konkurrenz-Kampf nicht mehr notwendig ist, ältere Fertigungen aber natürlich jederzeit günstiger kommen (für nVidia).

Am allgemeinen KI-Boom soll nun aber auch Chipfertiger TSMC besser mitverdienen, wie Seeking Alpha (via PC Games Hardware) berichten. Allerdings wird hier gerade in der Berichterstattung über diese Meldung einiges falsch wiedergegeben: Weder kommt dies direkt von TSMC, noch handelt es sich um wirklich bedeutsame Preissteigerungen und dürfte sich dies letztlich auf die Fertigung von KI-Chips oder nur nVidias Aktivitäten beschränken. Denn wenn TSMC seine Wafer-Preise anpasst, gilt dies für alle Chips aller Hersteller, egal was auf den Wafern letztlich hergestellt wird. Möglicherweise ist das boomende Geschäft mit KI-Beschleunigern somit der Auslöser von Preissteigerungen, betroffen wären allerdings alle Abnehmer von modernen TSMC-Wafern (üblicherweise passt TSMC seine Wafer-Preise getrennt nach Nodes an, ältere Nodes erhalten geringere oder keine Preissteigerungen).

Anders formuliert: Das Ansinnen, besser am aktuellen KI-Boom zu partizipieren, würde somit auch alle Chips von AMD, Apple, Intel, Mediatek & Qualcomm verteuern, egal ob KI-Chips oder nicht. An dieser Stelle kommt aber die zweite große Einschränkung hinzu: TSMC ist in aller Regel gnädig bei Preiserhöhungen, +5% sind da schon viel. Normalerweise ist das ein Effekt, den die TSMC-Abnehmer sogar "fressen" könnten, welcher nicht zwingend zu höheren Endkundenpreisen führen muß. Natürlich können die Endgeräte-Hersteller die Situation dennoch ausnutzen und mit Verweis auf TSMC die Endkunden-Preise erhöhen, dies dann oftmals viel stärker als die TSMC-Erhöhung. Und letztlich ist auch das ganze überhaupt nur eine Analysten-Aussage, die klarstellt, dass TSMC sehr wohl den Spielraum zu einer Preiserhöhung hat. TSMC hat aber bislang keineswegs etwas hierzu verlauten lassen, existiert somit bislang eigentlich noch nicht einmal ein Gerücht hierzu. Ob dies ganze also mehr als heiße Analysten-Luft ist, bleibt somit streng abzuwarten.